Freunde auf leisen Pfoten - Leben mit Katzen
Fünf auf einen Streich
Sommer 2006, von Katharina
Eines Tages im Frühling kam ich nach Hause und blickte erstaunt zum Balken hinauf, welcher eigentlich dem Pietzi dazu diente, von der Terrasse bequem in den Garten zu kommen.
Er war besetzt.
Von 3 Katern!
Ein roter, dann ein getigerter mit weißen Flecken und schließlich ein schwarz-weißer, der Panik bekam, als er mich sah und noch mehr Panik bekam, weil die anderen Kater ihn nicht weg ließen.
Nun, ich wunderte mich, doch dachte schließlich nicht weiter drüber nach. Doch die folgenden Tag fiel mir auf, dass sich andauernd irgendwelche Kater in unserem Garten herum trieben und neugierig durch die Blumen schlichen. Noch saß Peppi unbeeindruckt herum, doch ich begann mir Sorgen zu machen. Dabei war die Kleine gerade mal ein halbes Jahr alt! Na ja, die Jugend von heute...
Oma als erfahrene Veterinärmedizinerin erfasste die Lage natürlich sofort und verscheuchte die Kater ständig - allerdings ohne langwährenden Erfolg, weshalb sie mir einen Besuch beim Tierarzt befahl. Dieser jedoch befand Peppi als noch zu jung und zu klein. Und so nahm das Schicksal seinen Lauf...
Nach etwa einer Woche heftigen Umschwärmens wurde Peppi rollig. Erst versuchte ich, das Tier im Haus zu halten; doch nachdem sie begann, auf den kostbaren Eichenmöbeln herumzuturnen, ergab ich mich und öffnete die Gartentür. Peppi schubberte sich überall und streckte freudig ihren Hintern in die Höhe. Was für ein Anblick!
Die Kater lauerten natürlich schon. Doch ich wollte wenigstens bestimmen, wer durfte und wer nicht. Rot war definitiv erlaubt (leider war dieser Kandidat zu scheu, als dass er mal zum Zug kam), schwarz-weiß hatten wir schon und außerdem war mir dieser Kandidat zu ungepflegt. Kandidat Nummer 3 mit dem getigerten Fell fand ich ganz attraktiv; außerdem hatte er ein Halsband um, was bedeuten musste, dass er aus wohlhabenden Verhältnissen kam.
Nun gut, die Ereignisse der folgenden Tage möchte ich nicht detailliert erzählen, doch dank den Videoaufnahmen meines Papas existieren nun ein paar kompromittierende Filme...
Irgendwann hatte sich Peppi wieder beruhigt und nach einigen Wochen war auch das Resultat zu sehen. Das kleine Tier wurde immer runder und wir begannen schon Wetten abzuschließen, wie viele es wohl würden. Ich tippte auf 3, Mama meinte, da passten höchstens 2 hinein. Oma und Gisel malten gleich den Teufel an die Wand und behaupteten, die Tiere würden eh nicht überleben. Daraufhin gab ich der Peppi noch mehr zum Mampfen.
Schließlich war es soweit. Natürlich befand ich mich mitten in der Prüfungszeit, doch für dieses Ereignis wurden die Hefter beiseite gelegt. Ich war die ganzen letzten Tage schon sehr aufgeregt und bangte, dass ich zu dem Zeitpunkt zu Hause sein würde. Ich hatte der Peppi schon lauter Plätze zurecht gemacht, doch sie bevorzugte leider immer meinen Kleiderschrank, was ich natürlich nicht erlaubte.
Glücklicherweise suchte sich die Katze einen Samstag aus, an dem auch noch Mama da war, sodass ich jemanden dabei hatte, der schon ein wenig Erfahrung mit Katzengeburten gemacht hatte.
Ich lag gemütlich auf dem Sofa, Peppi neben mir. Auf einmal wurde sie unruhig und man konnte es förmlich riechen, dass es bald losgehen würde. Peppi wusste nicht so recht, wo sie hin sollte und ich hatte das Gefühl, sie wollte vor allem nicht alleine sein. Wir hatten bereits einen Korb gekauft und schön hergerichtet und setzten die Katze nun einfach hinein. Diese wurde bereits heftigst von Wehen gequält und blieb einfach sitzen. Sie hechelte wie verrückt und klagte jämmerlich. Sie tat mir so leid. Dann kam das erste - was für eine anstrengende Geburt! Es war so schmerzhaft, dass Peppi zwischendurch aus dem Korb fliehen wollte, doch wir drängten sie sanft zurück und versuchten, sie zu beruhigen.
Mittlerweile war auch Gisel eingetroffen und zu dritt standen wir dem armen kleinen Tierchen bei und gaben ihr ein wenig Wasser, was sie auch annahm.
Dann kam es. Ein kleines dunkles und nasses Knäuel rutschte heraus und Peppi begann sofort zu putzen. Doch schon bald darauf erschien ein zweites Köpfchen. Dann ein drittes. Peppi war völlig überfordert und total erschöpft. Wir mussten aufpassen, dass sie sich nicht auf eines der Kleinen drauf legte und drängten sie immer wieder, sie trocken zu putzen.
Eigentlich dachten wir, das war es, denn es geschah erst mal nichts weiter. Gisel ging wieder hoch, Mama erzählte Georg begeistert von dem Nachwuchs, der leider völlig gleich aussah - alle getigert.
Doch ich saß weiterhin am Körbchen und bemerkte, dass da noch etwas heraus geflutscht kam.
Vier!
Wir konnten es nicht fassen - vier kleine Katzen in der an sich auch noch sehr kleinen Peppi!
Daraufhin waren wir nun endgültig überzeugt, dass Peppi es endlich geschafft hatte. Doch es ging noch weiter! Ich war mir erst nicht sicher, ob ich es richtig deutete - schließlich war alles voller Blut und Mutterkuchenreste und überhaupt wuselten da vier kleine Wesen herum.
Aber dann bewegte sich der dunkle Fleck und ich war überzeugt, dass es Nummer 5 war. Völlig sprachlos starrten wir in das Körbchen hinein und bewunderten die Peppi, welche nun zu Tode erschöpft einfach nur auf den nassen Handtüchern lag und die Kleinen nuckeln ließ.
1 2 3 4 5 Fünf kleine Katzen. Alle getigert. Wer der Vater war, stand also definitiv fest.
Noch freute ich mich auf die kommenden Wochen und konnte es jetzt schon kaum erwarten, bis die Kleinen ihre Augen öffneten und auf dem Körbchen krabbelten.
Doch es sollte eine anstrengende Zeit werden.
Die ersten Nächte konnte ich kaum schlafen, da ununterbrochen Katzengejammer erklang und ich andauernd besorgt nach dem Rechten sah. Schließlich kam die Peppi wieder aus dem Körbchen gekrochen, um etwas zu fressen. Ihr Näpfe hatte ich jetzt direkt neben dem Korb platziert. Sie fraß nicht viel, doch sie fraß. Auf Omas Anweisung hin gab ich ihr zusätzlich Eigelb als Energielieferant, was sie auch gierig verschlang.
Langsam kam sie wieder zu Kräften und irgendwann traute sie sich auch wieder aus dem Haus heraus, doch kam schon bald wieder und rief besorgt nach den Kleinen, denen es natürlich prächtig ging. Ich war sehr überrascht, wie souverän die kleine Peppi ihre Mutterrolle meisterte. Manche Katzen sind völlig überfordert und lassen die Kätzchen alleine, doch Peppi gab sich alle Mühe und putzte die Rasselbande ununterbrochen und knurrte jeden an, der dem Korb zu nahe kam.
Die ersten Tage vergingen und es dauerte nicht mehr lange, bis sie ihre Augen öffnen sollten. Erneut befolgte ich Omas Rat und stellte den Korb in die Küche unter den großen Tisch, wo es etwas abgeschiedener und vor allem dunkler war. Inzwischen waren die fünf Wollknäuele schon sehr lebendig und eroberten bereits den Rand des Körbchens. Peppi fand das gar nicht toll und schimpfte, doch das hielt die Kleinen nicht von ab, über den Rand zu schauen.
Als sie schließlich die Augen geöffnet hatten, stellte ich den Korb zurück ins Wohnzimmer, um das Ganze besser beobachten zu können. Die ersten Miezen fielen bereits aus dem Nest und Peppi war völlig aufgelöst, sodass ich sie zunächst zurück setzte. Doch bald nahmen wir eine große Decke und platzierten die Kleinen darauf. Die fanden das alles sehr aufregend und begannen schon bald, die nähere Umgebung zu erkunden. Natürlich immer unter Beobachtung, denn wir wollten nicht, dass eines der Winzlinge unter Schränken oder Sofas verloren ging.
Sie wuchsen erstaunlich schnell und sie bekamen schließlich festes Futter. Doch fünf Mäuler zu stopfen, ist anstrengend! Und teuer! Mama machte eine Fuhre mit dem Touran und kam mit einem bis obenhin vollgepackten Kofferraum voller Katzenfutter zurück. Gierig schlangen die Kleinen alles weg und ich musste darauf achten, dass die Peppi auch noch was abbekam.
Doch das Anstrengenste war die Sache mit dem Katzenklo... wie bringt man fünf kleinen Rabauken gleichzeitig bei, das Örtliche zu nutzen?
Gar nicht, wie ich schon bald feststellen musste.
Das Geschäft wurde stets neben dem Klo erledigt und die Katzenstreu in der ganzen Küche verteilt. Nach und nach begriff der ein oder andere, dass er sich in diesen Kasten setzten sollte, nicht daneben. Doch genauso schnell vergaßen sie es auch wieder und erklärten einen ganz anderen Platz zum offiziellen Katzenklo - die Ecke hinter dem Sessel. Und bald auch neben dem Sessel, denn fünf Miezen produzierten schon ordentlich. Da half auch keine Essigkur mehr. Es war ein erfolgloser Kampf und selbst das Spray hielt sie nicht von ab, es immer wieder in der Ecke zu versuchen. Da ich die Kleinen kaum auseinander halten konnte, war es auch unmöglich zu sagen, wer genau immer der Übeltäter war - manche Mieze benutzten zum Glück ja nun doch immer mal das eigentliche Katzenklo.
Wir beschlossen, die Kleinen nun auch in den Garten zu lassen (mit der leisen Hoffnung, dass sie die Vorzüge des Außenklos entdeckten). Es war ein herrlicher Anblick, doch irgendwie fühlten sie sich im Haus noch immer wohler. Doch hier begannen sie, immer mehr Unfug zu treiben wie Tischdecken herunter zu reißen und Blumen anzufressen. Am Schlimmsten war es, dass ständig mindestens einer fehlte und ich kam abends oft erst später ins Bett, weil ich erst alle finden wollte, um mich zu vergewissern, dass keiner im Garten verloren gegangen war. Besonders tückisch wurde es, als sie einen Weg fanden, unter und hinter die Küchenmöbel zu schlüpfen. Da kamen sie teilweise stundenlang nicht mehr hervor...
Peppi begann langsam, immer abweisender auf die Miezen zu reagieren und es wurde allmählich Zeit, neue Besitzer zu finden. Anfangs war es sehr schwer - und dann waren es auch noch gleich fünf Stück! Dank Omas Kenntnis konnten wir feststellen, was Männchen und was Weibchen war (wobei es noch immer sehr schwer für mich war, die Racker auseinander zu halten). 3 Mädchen, 2 Jungs.
Einen wurde ich schließlich über einen Studienfreund los, 2 gingen auf einen Bauernhof. Dann setzte Mama endlich eine Anzeige ins Internet und wir stellten fest, dass wir das hätten gleich tun sollen, denn es kamen eine Menge Anfragen. So wurden wir schließlich auch die letzten beiden los und übergaben sie in die liebevollen Hände anderer Katzenliebhaber.
Anfangs war es ein leeres Gefühl - auf einmal war alles wieder so ruhig im Haus! Und ordentlich. Keine Fellbüschel mehr, die einem um die Füße umher sprangen. Die Tischdecke befand sich an ihrem Platz, die Blumen wuchsen wieder, im Küchenschrank raschelte es nicht mehr.
Auch wenn es eine sehr anstrengende Zeit gewesen war, so hatte ich sie dennoch genossen. So eine Rasselbande ist ein wunderbares Erlebnis und am liebsten hätte ich es gleich noch mal erlebt. Doch das wäre natürlich sehr unvernünftig gewesen und so ging es der Peppi ein paar Wochen später doch an den Kragen - beziehungsweise an den Bauch. Das hat sie mir sehr übel genommen, zumal sie 2 Wochen lang eine entsetzliche Halskrause tragen musste. Aber nachdem alles endlich überstanden war, kuschelte sie auch wieder mit mir und schlief nachts mit in meinem Bett.
Der Teppich unter dem Sessel wurde erst in den Garten zum Auslüften verbannt, doch nach der Einsicht, dass es hoffnungslos war, endgültig entsorgt...
Dresden, März 2007